Monatsarchive: August 2015

Texte über den Glauben

Eine neue Reihe über den Glauben in 6 Ausgaben im Michaelisboten
Ich glaube nur,  was ich sehe …
„Ich glaube nur, was ich sehe!“ – Irre ich mich, oder sind die Verfechter dieses Glaubenssatzes weniger geworden? Ich jedenfalls höre das nur noch selten. Zum Glück, denn seinem Sinn nach ist dieser Glaubenssatz ja leicht zu widerlegen. Denn auch wer das behauptet, schaltet selbstverständlich sein Radio ein und seinen Fernseher, benutzt sein Handy – obwohl doch alle drei auf Wellen angewiesen sind, die man eben nicht sehen kann, so wie eben auch die Infrarotwellen, mit denen die Fernbedienungen funktionieren oder die UV-Strahlen, die für den Sonnenbrand verantwortlich sind. Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist selbst für die uns bekannte Wirklichkeit nicht ausreichend.
Wer sagt: „Ich glaube nur, was ich sehe“, sagt zwar etwas Falsches, aber es geht ihm um etwas anderes. Er oder sie möchte Sicherheit, auch in Glaubensdingen. Vielleicht ist er oder sie zu oft enttäuscht worden? Nur: Die Sicherheit, die da gesucht wird, die kann es nicht geben. Mit unseren Sinnesorganen kann Gott und seine Welt nur zum Teil wahrgenommen werden. Er ist nicht nur größer als unser Herz, wie die Bibel sagt, sondern auch größer als unsere Wahrnehmungsfähigkeit und unser Verstand. Immer einmal wieder erkenne ich, da bin ich bewahrt worden, da ist etwas gelungen, was eigentlich unmöglich war, da gab es Trost und eine Begegnung, die mich erfüllt hat. Ich bin dankbar für solche Erfahrungen und bringe sie mit meinem Glauben in Verbindung. Durch den Glauben eröffnet sich ein Raum, der größer ist als mein Leben und mich hineinnimmt in die Sphäre Gottes. Und dann gibt es Momente, in denen nichts mehr da ist. Wo alles zerbricht und auch der Glaube nicht mehr trägt. Für mich ist es dann gut dorthin zu gehen, wo Gemeinde sich versammelt unter der Zusage: wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Pastor Jürgen Bade

Menschen in der Gemeinde

Einzelne Menschen haben besondere Berufungen oder Begabungen, wie wir sie in dieser Rubrik schon vorgestellt haben. Diese übernehmen besondere Aufgaben  und tun dieses mit Verantwortung und  zum Nutzen der ganzen Gemeinde. Was aber ist mit uns allen?  Eine Gemeinde lebt von ihren Menschen. Mit ihrem ehrenamtlichen oder beruflichen Engagement prägen sie ihre Heimat, schaffen Lebensqualität und tragen dazu bei, sie zukunftsfähig zu machen.
Im Neuen Testament finden wir die Begriffe „Gemeinde“ und „Menschen“  recht häufig. Es beschreibt damit in erster Linie eine Gemeinschaft von Menschen, die in Jesus glauben. Hierfür finden wir im Neuen Testament verschiedene Bilder, zum Beispiel: Das Bild der Familie. Gemeinde als Familie bedeutet: Dass sich Gemeindemitglieder untereinander so liebevoll verhalten, wie es in einer Familie im Normalfall üblich ist. Ein weiteres Bild für Menschen und Gemeinde zeichnet uns das Neue Testament im Körper. Der Körper (Gemeinde) der aus vielen wichtigen Organen (Menschen) besteht. Jedes Organ erfüllt eine bedeutende Aufgabe für den Körper und ist letztlich unersetzlich. Das Haus bzw. der Tempel ist das Bild einer Gemeinde, die von den Menschen gebaut und gestaltet wird. Das Ziel ist es nicht das Leben  einiger Menschen ein bisschen angenehmer zu machen. Es geht vielmehr darum, dabei zu sein und etwas für die Gemeinschaft und somit auch für sich zu tun.
Die Herausforderung an die Menschen in einer Gemeinde liegt darin,  respektvoll miteinander umzugehen, andere  Menschen und Meinungen zu  achten und verantwortungsvoll  und gerecht zu handeln. Aber nichts ist perfekt. Wir alle sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Menschen können anstrengend sein, es kann Missverständnisse und Verletzungen geben. Deshalb sind auch Beziehungen innerhalb und zu anderen Gemeinden weder perfekt noch angstfrei. Trotzdem lebt Gemeinde und ihre Menschen von und in diesen unvollkommenen Beziehungen. Wenn Vergebung und immer wieder ein neuer Anfang möglich ist und  wenn Menschen ihre Schwachheit eingestehen und Masken ablegen, dann kann es zu einer tollen Einheit kommen, so wie sie sich Jesus für die Gemeinde mit Menschen gewünscht hat.

Frank Schmolke