Monatsarchive: August 2017

Offene Kirche – auch für Turmfalken, Schleiereulen & Co. 

Einige Gemeindemitglieder werden sich auf dem Weg in die Kirche sicherlich schon über das neu angebrachte Schild im Turmbereich mit dem Aufdruck „Lebensraum Kirchturm“ gewundert haben.
Es handelt sich um eine Auszeichnung des NABU (Naturschutzbund Deutschland) für Kirchen, die sich besonders für den Artenschutz einsetzen. Wir sind dabei. Denn Kirchtürme sind attraktive Unterkünfte u.a. für Turmfalken und Schleiereulen.

Die Ev. Luth. St. Michaelis-Kirchengemeinde Bienenbüttel hat – wie schon in vorherigen Ausgaben berichtet – im Jahr 2015 beschlossen, sich dem kirchlichen Umweltmanagement-Projekt „Der Grüne Hahn“ (www.gruenerhahn.de) anzuschließen.  Ziel ist die Einführung eines Umweltmanagementsystems in der Kirchengemeinde, das neben den zentralen Themen Energie und Klimaschutz auch die ökologische Aufwertung der kirchlichen Außenanlagen beinhaltet. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Nistkastenprojektes „Offene Kirche – auch für Turmfalken, Schleiereulen & Co.“ rund um die Kirche und  im Bereich des Friedhofgeländes Nistkästen für verschiedene heimische Brutvögel angebracht. Der Förderkreis Kirchengemeinde Bienenbüttel e.V. ist Träger des Projektes und beteiligt sich auch finanziell.
Die Bingo-Umweltstiftung (www.bingo-umweltstiftung.de) hat es mit erheblicher finanzieller Unterstützung möglich gemacht, das Projekt nun in diesem Jahr in die Tat umzusetzen. 
Der Schutz der biologischen Vielfalt ist nicht nur eine gesellschaftliche und politische Aufgabe, sondern fordert uns als Kirchengemeinde heraus, die Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen. Wir können und wollen als engagierte Schützer und Multiplikatoren tätig sein und hoffen auf vielfältige Unterstützung aus der Gemeinde.
Bereits im April sind im Kirchturmbereich sowie im Giebelbereich des Gemeindehauses innenliegende Nistkästen für Turmfalken und Schleiereulen durch den Schleiereulen Experten Waldemar Golnik (NABU Kreisverband Uelzen) angebracht worden. Damit soll die Wiederansiedlung insbesondere des Turmfalken unterstützt werden, der dort vor einigen Jahren schon einmal heimisch war.

Die KonfirmandInnen wurden von der Naturpädagogin Caroline Rothe (www.waldwärts.de)  spielerisch in die Vogelschutzthematik und Problematik bei der Jungenaufzucht eingeführt sowie beim Zusammenbau von Nistkastenbausätzen angeleitet. Die Holznistkästen werden auf dem kirchlichen Gelände angebracht.
Das Nistkastenprojekt zieht sich über das ganze Jahr hin und bindet auch den Bereich der Kindertagesstätte St. Michaelis mit ein. Dazu wird im Michaelisboten sicherlich noch Spannendes zu berichten sein ……

Ulrike Dehning –  für das Umweltteam „Grüner Hahn“

Schlau, frei ,mutig und von Gott geliebt –  Martin Luther in der Kita

 


Unter diesem Motto fand eine Fortbildung für Erzieherinnen statt, an deren Ende ich (und alle anderen TeilnehmerInnen auch), zur Lutherbotschafterin ernannt wurde.
Hochmotiviert stürzte ich mich mit den zukünftigen Schulkindern auf das Thema Gerechtigkeit.
Fast alle Kinder konnten sofort sagen was sie ungerecht fanden:
– es ist ungerecht, wenn … mich immer „rein legt“,
– wenn einer vordrängelt,
– dass die Kinder früher nicht zur Schule gehen durften….
Erstaunlicherweise fiel es ihnen schwer zu sagen was Gerechtigkeit,  bzw. gerecht ist.

Währen der Projektwoche spielte ich mit den Kindern die Geschichte/das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg nach(Matthäus 20,1-15):Ein Mann sucht dringend Arbeiter, die ihm bei der Weinlese helfen. Die Trauben sollen noch an diesem Tag abgeerntet werden. Er bietet ihnen einen  Silbertaler zum Lohn. Am Mittag merkt er dass die Arbeiter nicht fertig werden und begibt sich abermals auf die Suche nach Arbeitern. Später merkt er dass auch diese Arbeiter nicht reichen und stellt weitere Arbeiter ein…
Am Abend sind die Trauben gelesen und der Weinbergbesitzer gab jedem der Arbeiter seinen Lohn: Einen Silbertaler. Die Arbeiter, die schon morgens eingestellt wurden, beschwerten sich und fanden es ungerecht, dass sie den gleichen Lohn erhielten wie die anderen Arbeiter, obwohl diese doch nur wenige Stunden gearbeitet hatten, während sie sich schon seit dem frühen morgen abgerackert hatten.
Der Weinbergbesitzer antwortete ihnen. Ein Silbertaler war abgemacht und den habt ihr bekommen.
Ich tue Euch nicht unrecht: Nehmt was euer ist und geht!
Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie euch. Denn ich brauchte seine Hilfe genauso wie Eure. Ich finde das gerecht! (Frei nach der Übersetzung von Martin Luther)
Im Gegensatz zu den Arbeitern protestierten die Kinder hier nicht darüber, dass alle den gleichen Lohn erhielten- egal ob sie morgens, mittags oder erst am Abend mit der Arbeit anfingen! Im Gegenteil: Sie freuten sich über ihr „verdientes“ Geld.
Zunächst war ich sehr erstaunt darüber. Ich fragte mich, ob das Thema Gerechtigkeit zu abstrakt ist für 5-6 jährige Kinder. Dachte,vielleicht können sie sich unter dem Wert des Geldes nichts vorstellen.
Ich hatte mich also gefühlsmäßig mit den ersten Arbeitern im Weinberg identifiziert, während die Kinder ganz ihrem Bauchgefühl folgten und genau wie Jesus die Arbeit jedes einzelnen schätzten.
Was ist also gerecht – was ungerecht?
Was denken Sie?
Im Verlauf dieser Woche ging es auch darum, dass Martin Luther es ungerecht fand, dass nur die Gelehrten die (auf Latein geschriebene) Bibel lesen konnten. Er übersetzte nicht nur die Bibel ins Deutsche, er setzte sich auch dafür ein, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind lesen und schreiben lernen dürfen.
Wir probierten wie es ist wie Martin mit einer echten Feder und Tinte zu schreiben und erfuhren, wie schwer es ist diese Tinte von den Fingern zu bekommen. Wir sangen ein Lied übers Teilen und malten und diskutierten.
Am Ende stellten wir fest, wie schwer es ist gerecht zu sein, obwohl jeder  gerecht behandelt werden möchte.

Marion Sauer