Ich glaube an gar nichts.

Die deutsche Band „Klee“ hat einen Song geschrieben, der „Zwei Fragen“ heißt. Die beiden Fragen heißen: „Wofür lebst du? Woran glaubst du?“ Auf diese Fragen kommt es anscheinend an. Und deswegen möchte ich mit Ihnen über „Glaubenssätze“ nachdenken, nicht aus der Bibel oder einem Andachtsbuch. Über Glaubenssätze, die man eben so sagt im Gespräch, und die Lebenseinstellungen erkennen lassen. Glaubenssätze? Manch einer zuckt vielleicht mit den Schultern und sagt: „Ich glaube an gar nichts!“
Entschuldigen Sie, aber eben auch das ist ein Glaubenssatz. Auch wenn das ein Glauben an ein Nichts, eine Null ist. Mag ja sein, dass derjenige damit meint, dass er jegliche Vorstellungen von Gott oder einem höheren Wesen ablehnt. Nur dem Wortlaut nach sagt er etwas anderes, und es ist relativ einfach, ihm nachzuweisen, dass er Unrecht hat. Natürlich glaubt er daran, dass an einer Kreuzung die Autofahrer halten, denen die Ampel „Rot“ zeigt; vertraut er darauf, dass der Bäcker ihn nicht vergiften will, und er darum Brot und Brötchen essen kann. Wir können gar nicht in unserer Welt leben, wenn wir nicht immer wieder auf den guten Willen, die Fähigkeit, die Redlichkeit oder Gesetzestreue der anderen vertrauten, also an sie und ihr Tun glaubten. „An gar nichts glauben“ im wirklich radikalen Sinn, das geht nicht. Nur: Dieser Glaubenssatz macht deutlich, dass die Gruppe „Klee“ recht hat: Es ist nicht die entscheidende Frage, ob jemand glaubt, sondern woran er glaubt.

Pastor Jürgen Bade