Bericht aus Äthiopien

Bericht Äthiopien Pauline Bade

Vom 28. Dezember 2014 bis zum 12. Januar 2015 war ich gemeinsam mit Pastor Kurt Jürgen Schmidt und Janka Fleshman in Äthiopien. Janka Fleshman ist eine Sozialarbeiterin aus Hannover, die selber schon mehrmals in Äthiopien war. Nach ihrem Studium hat sie ein neun-monatiges Praktikum an einer Schule in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien gemacht. Kurt Jürgen Schmidt ist ein mittlerweile pensionierter Pastor aus Hannover, der seinen Zweitwohnsitz in seinem Geburtsort Bienenbüttel hat. In seiner Zeit als Pastor in Hannover hat er eine Partnerschaft zu Kotobe, einem Stadtteil von Addis Abeba, aufgebaut. Zunächst lebte die Partnerschaft vor allem durch die gegenseitigen Besuche von Delegationen, ähnlich wie unsere Partnerschaft mit Ondini. Doch mit der Zeit hat sich die Partnerschaft verändert und weiter entwickelt. Kurt Jürgen Schmidt hat gemeinsam mit seinem äthiopischen Kollegen Soboka, der Pastor in Kotobe ist, mehrere Projekte entwickelt und ins Leben gerufen. Projekte wie zum Beispiel der Verein „Das helle Licht – The bright light“. Dieser Verein unterstützt Kinder und Jugendliche in Äthiopien. Es sind Bildungsprojekte, die Kinder und Jugendliche befähigen sollen, um aus der Armut und Arbeitslosigkeit herauszukommen. Ein anderes Projekt ist die Bereitstellung von Eseln für Frauen in Addis Abeba. Frauen aus Addis Abeba haben Esel für ein Jahr als Leihgabe zur Verfügung gestellt bekommen. Nach einem Jahr wurde überprüft wie der Gesundheitszustand und die Pflege der Esel war. Wenn die Frauen gut mit dem Tier umgegangen sind, dann konnten sie es behalten. Ein Esel ist in Äthiopien vor allem ein Transportmittel. Die Frauen haben bisher die Lasten auf den Rücken getragen. Durch die Esel werden ihre Rücken geschont und ihre Arbeit erleichtert, ein Projekt für das auch in Bienenbüttel Spenden gesammelt wurden. Ein neues Projekt ist die Entstehung eines internationalen Jugendcamps in Äthiopien, das vom 26. Dezember 2015 bis zum 9. Januar 2016 das erste Mal stattfinden soll. Unsere Aufgabe war es während unserer Zeit in Äthiopien dieses Camp vorzubereiten und auszuprobieren, wie dieses Camp am besten zu verwirklichen ist. Das Jugendcamp soll am Fuß des Yerer Mountain stattfinden. Dieser Berg befindet sich 2-3 Fahrtstunden außerhalb von Addis Abeba. Warum genau dort? Bericht Äthiopien Pauline BadeIn Äthiopien findet noch traditionelle Missionsarbeit statt. Menschen laden den Pastor nach Hause ein, um bei ihnen zu predigen. Dann entscheiden sie, ob sie den Glauben annehmen wollen. Genau so war es in der Gegend beim Yerer Mountain. Zwei Schwestern haben Pastor Soboka zu sich eingeladen und sich danach der Mecane Jesus Kirche angeschlossen. Sie haben dort eine Kirche gebaut, auf deren Dach Solarplatten angebracht sind. Die Kirche ist das einzige Gebäude weit und breit, das elektrisches Licht hat. Für das Jugendcamp werden dort zurzeit Sanitäreinrichtungen, eine Küche und Zeltdächer gebaut. Die Idee des Jugendcamps ist, dass deutsche Jugendliche gemeinsam mit äthiopischen Jugendlichen eine Kinderfreizeit für die Kinder vor Ort gestalten. Ein Kind auf dem Land wächst in Äthiopien ganz anders auf als ein Kind in Deutschland. Die meisten Kinder kennen keine Freizeit. Sie gehen halbtags zur Schule und die andere Hälfte des Tages arbeiten sie zuhause oder in der Landwirtschaft. Das Jugendcamp soll ein Ort werden, an dem die Kinder Freizeit in Form von gemeinsamem Spielen und Singen erfahren. Durch die gemeinsame Zeit im Jugendcamp lernen deutsche und äthiopische Jugendliche voneinander und miteinander. Sie lernen verschiedene Kulturen kennen und andere Sichtweisen auf das Leben. Während meiner Zeit in Äthiopien habe ich sowohl in Addis Abeba als auch auf dem Land gelebt. Es war spannend den großen Unterschied zwischen Stadt und Land kennen zu lernen. Addis Abeba ist eine riesige Stadt, die wächst und wächst. Zunächst scheint sie wie ein riesen Chaos, in dem ich mich erst zurecht finden musste. Auf dem Land gibt es keine Strom- und Wasserversorgung. Die Menschen leben in dunklen Lehmhütten. Die Armut ist erschreckend groß und es hat mich manche Male traurig gemacht. Es ist so ungerecht, weil es mir im Vergleich so gut geht, weil ich zufällig in Deutschland und nicht irgendwo anders geboren bin. Doch was mich immer wieder zum Lächeln und Lachen gebracht hat ist die Gastfreundschaft und der Humor der Menschen dort.Bericht Äthiopien Pauline Bade

Insgesamt habe ich unglaublich viel aus meiner Zeit in Äthiopien mitnehmen können. Ich weiß Dinge besser zu schätzen und ebenso weiß ich anderen Dingen weniger Wert zu zusprechen, weil anderes wichtiger und wesentlicher für mich geworden ist. Die warme Dusche am Abend oder die Verfügbarkeit von jeglichen Dingen, das ist nicht selbstverständlich. Meine Großmutter hat mir erzählt, wie sie aufgewachsen ist, dass sie auch kein fließendes Wasser hatte, ähnlich wie die Menschen in Äthiopien auf dem Land. Sie weiß vieles besser zu schätzen als die meisten meiner Generation heute, weil wir mit diesen Dingen aufgewachsen sind und die meisten es nicht anderes kennen gelernt haben. Besitz hat für mich an Wert verloren, denn ich habe gemerkt, dass Besitztümer abhängig machen und man an ihnen sein persönliches Glück fest macht. Für mich sind spannende, interessante Begegnungen mit Menschen wichtiger geworden, der Austausch mit ihnen und das Lernen von- und miteinander.

Mit diesen Worten wünsche ich ihnen eine schöne Frühlingszeit

Pauline Bade