Und machet sie euch untertan

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. (1 Mose 1, 28)

In Zeiten, in denen Ferkel ohne Betäubung kastriert, Meere überfischt, Chemikalien hectoliterweise auf Felder gekippt und Urwälder abgeholzt werden, scheint dieser Auftrag doch erfüllt. Der Mensch macht sich die Erde untertan wie nie zuvor. Der Homo Oeconomicus knechtet die Erde, auf dass sie sich seiner Herrschaft beuge, und wenn wir dabei auch alle draufgehen, immerhin haben wir (korrigiere: einige wenige) vorher an ihr verdient. Dann hat es sich ja gelohnt. Und dem Herrn wurde (nebenbei) auch genüge getan, denn der menschliche Herrschaftsanspruch tritt doch in derartigem Verhalten in der überhaupt höchstmöglichen Form zutage.

Oder etwa doch nicht? Angeheizt durch den UN-Klimagipfel und ein 16-jähriges Mädchen aus Schweden, welches jeden Freitag vor seinem Parlament gegen den Klimawandel protestiert, kommt mal wieder die Frage auf, ob der Mensch nicht vielleicht doch ein ganz kleines bisschen mehr für die Umwelt und gegen den Klimawandel tun müsste? Die Erde schützen schützen müsste? Rein sachlich betrachtet handelt es sich hierbei einfach um eine logische Abwägung: Wie viel Bequemlichkeit und Profit ist der Mensch bereit aufzugeben, um im Gegenzug sich selbst zu erhalten. Denn die Natur kann auch ohne den Menschen existieren. Umgekehrt wird das dann doch eher schwierig. An der Stelle dann das Beispiel der Kreuzfahrt: Statistisch verbraucht ein Kreuzfahrtschiff pro Tag so viel CO2 wie 84.000 Autos, soviel Stickoxide wie 421.000 Autos, so viel Feinstaub wie 1 Million Autos und so viel Schwefeloxid wie 376 Millionen Autos. ABER KREUZFAHREN IST DOCH SO SCHÖN UND DIE REEDER VERDIENEN DOCH SO GUT DARAN. Also fahren weiterhin jährlich über 25 Millionen Menschen Kreuz. (Fairerweise muss an der Stelle allerdings angemerkt werden, dass sich ähnliches jetzt auch über Flugzeugurlaube, unnötige Autotouren etc. sagen ließe). Der Mensch setzt hier seine Prioritäten. Profit und Bequemlichkeit über Selbsterhaltung.

Tatsächlich gibt es unter einigen „Wissenschaftlern“ (Die Anführungszeichen seien mir verziehen) die Theorie vom Menschen als Parasit. Laut dieser ist die Erde als Organismus zu betrachten und der Mensch als Parasit, welcher diesen befallen hat und nun auslaugt. Denkt man diese Theorie nun zu Ende, kommt man zu dem unerfreulichen Ergebnis, dass die Menschheit dem Untergang geweiht ist. Denn entweder der Organismus wehrt sich gegen den Parasiten und es gelingt ihm, diesen auszumerzen (im gegebenen Modell etwa durch Naturkatastrophen), oder aber, der Parasit saugt den Organismus soweit aus, bis dieser eingeht. In der Natur könnte der Parasit nun seinen Wirt wechseln. Aber wie soll der Mensch seinen Wirt wechseln? Derzeitigem Stand nach haben wir eben nur die Erde, Mond und Mars stellen bislang bedauerlicherweise keine Alternative dar. Abstecher zurück zur Bibel: Ist das nun wirklich, was mit dem Herrschaftsbefehl gemeint ist? Die Mündigkeit des Menschen, uneingeschränkt über die Erde zu herrschen, egal mit welchen Konsequenzen?

Tatsächlich findet sich in der Bibel kein einziger Satz mit explizitem Bezug auf den Umweltschutz. Aber wie auch: Die Geschichten in der Bibel sind teils mehrere Tausend Jahre alt. Sie entstammen einer Zeit, als der Mensch noch durch die Natur bedroht war, nicht etwa andersherum. Dass der Mensch zum Herren über die Umwelt wurde, ist ein Produkt der Neuzeit. Mit immer effizienteren landwirtschaftlichen und technologischen Neuerungen griff der Mensch immer stärker in die Umwelt ein. Dies brachte natürlich Konsequenzen mit sich: Bodenerosion, Artensterben, im Laufe der Industrialisierung dann die Luftverschmutzung. Mit der sich ändernden Lebensrealität des Menschen begann die Theologie nun zu hinterfragen, ob nicht auch die Deutung der Bibel anzupassen sei. Ob das menschliche Wirken wirklich das sei, was in der Bibel gefordert werde. Man begann, die Bibel neu zu lesen, Passagen zu reinterpretieren, Aussagen neu zu werten. Hat Gott diese Erde wirklich geschaffen, mit all den wundervollen Dingen und Geschöpfen die sie zu bieten hat, nur damit sie dem Mensch als Spielwiese dient? Gott hat dem Menschen nie einen Herrschaftsbefehl gegeben, er hat ihm einen Bewahrungsbefehl erteilt. Gott hat den Menschen als Hüter, nicht als Herrscher eingesetzt.

Und selbst wenn man nicht an die Schöpfung der Erde durch Gott, sondern an den Urknall glaubt: Wie wahrscheinlich ist es denn, dass etwas so phantastisches wie unsere Erde einfach durch einen Zufall entsteht? Ist es nicht gerade dann die Pflicht des Menschen, sich hieran zu erfreuen und dieses Wunderwerk des Zufalls zu erhalten?

Wenn schon nicht für uns, zumindest für unsere Nachkommen und all die anderen Lebewesen und Organismen, die diese Erde bevölkern? Denn der Mensch ist so viel mehr als ein Parasit. Wir sind vernunftbegabt, wir sind emotionsfähig, wir sind in der Lage, unser eigenes Handeln zu reflektieren. Warum fangen wir nicht an, uns auch so zu verhalten? Was meinen Sie?

Jimi Puttins