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Auferstehen

Jede und Jeder hat seine Schlüsselerlebnisse. Mein Schlüsselerlebnis mit der Auferstehung Christi hatte ich vor vielen Jahren als Jugendlicher in Munster, meiner Heimatstadt. Der Frühgottesdienst am Ostermorgen findet auf dem Friedhof statt. Es ist noch dunkel, wenn sich die Frühaufsteher mit Kerzen auf dem Friedhof zwischen den Gräbern versammeln. Uns Kindern war immer etwas unheimlich, wenn wir mit unseren Großeltern und Eltern inmitten der Gräber standen, oft bei eisiger Kälte. An diesem besagten Ostermorgen war es auch kalt bei klarer Luft. Ich spürte noch eine andere Kälte, die des Todes. Das erste Osterfest ohne meine geliebte Oma. Hier hatten wir sie im Herbst auf der Grabstelle ihrer Eltern begraben.niehoff_141108_3187

Eine große Stille lag über der Szene. Der Pastor las die Ostergeschichte und ich ließ meinen Blick über die Gräber streifen. Wolken im Osten bedeckten den Horizont. Der Posaunenchor intonierte den Choral „Christ ist erstanden von der Marter alle, des wollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“ Eine Amsel stimmte mit ein ein vielstimmiger Vogelchor war zu hören. Plötzlich riss der Wolkenvorhang am östlichen Himmel auf, die Sonne stieg feurig über den Horizont und beleuchtet ein großes Kreuz im meinem Blickfeld. Wie ein tiefer Frieden erfüllte es mich und mir wurde klar: Hier haben wir sie begraben, aber hier ist sie nicht mehr, meine Oma. Sie ist bei Gott. Ich spüre, die Worte drücken meine Gefühle und meine Stimmung an diesem Ostermorgen nur ungenügend aus. Ich weiß auch, all dies ist auch anders zu deuten. Nur nicht für mich. Ich habe seit dem viele Ostern erlebt, viele schöne Gottesdienste am Ostermorgen gefeiert, aber dieses Bild hat sich tief eingeprägt.
Später im Theologiestudium haben wir heftig diskutiert über das Ostergeschehen. Skeptiker und Tatsachenfanatiker haben historische und psychologische Gedankenspiele betrieben. Das tiefe Geheimnis der Auferstehung lässt sich nicht wie ein Kreuzworträtsel lösen. Der Gott des Lebens geht nicht auf in unserem Streit, ob die Auferstehung so oder ganz anders geschah. Seit jenem ersten Morgen des ersten Ostertages geht er auch nicht mehr unter in den Tränen der Trauernden, in den Schmerzen der Gequälten, in den Zweifeln der Hoffnungslosen und den Ängsten der Flüchtlinge. Er teilt ihre und meine Not und Ängste als der, der das Leben liebt und an unsere Seite steht.
Und nun suche ich diesen Liebhaber des Lebens bei den Gottesdiensten auf dem Friedhof anlässlich der Beerdigung eines Jugendlichen, bei einem, der sich das Leben nahm, an Betten im Altenheim und da, wo Menschen am Ende sind. Ich bin auf seiner Spur, wenn ich Menschen erlebe, die den Geschäften des Todes, des Hasses und der brutalen Gewalt, der Verachtung und der Angst absagen. Weil Christus in unser Leben auferstanden ist, kann Leben nie sinnlos und wertlos sein. Darum kann Ostern täglich gefeiert werden: ganz alltäglich und doch ganz anders als üblich. Nämlich so, wie es die katholische Seelsorgerin Theresia Hauser ausgedrückt hat:

„Täglich aufstehen aus dem Grab unserer Missgestimmtheiten. Aus dem Grab unserer Resignation, aus dem Grab unserer Mutlosigkeit, aus dem Grab unserer Herzenshärte, aus den tausend scheinbar sinnlos erfahrenen Situationen, aus der Müdigkeit und Trägheit.“

Es grüßt sie herzlich 

Ihr Pastor Jürgen Bade

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