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Erntedankfest 

 

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„Was Neues vom Jahre.“ – war der Ausspruch in seiner Familie, immer wenn im Lauf der Monate etwas Neues aus dem Kleingarten geerntet wurde und auf den Tisch kam. Jeder zupfte in der Familie seinen linken Tischnachbarn sacht am Ohrläppchen und sagte diesen Satz: „Was Neues vom Jahre.“ So ging es beim ersten Rhabarber, frischem Salat, den Erdbeeren, den ersten Frühkartoffeln und den gelben Augustäpfeln. Es war ein Zeichen für die Familie, diese Ernte bewusst wahrzunehmen, sich zu freuen, sicher auch dankbar zu sein und die Geduld zu bewahren. Denn jeder wusste ja, in ein paar Tagen oder Wochen war es wieder einmal so weit, „was Neues vom Jahre“ zu sagen.
Aber da gab es keine frischen Erdbeeren zu Weihnachten oder Spargel im März, reife Äpfel im Mai. Und auch die eingeweckten Erdbeeren waren eben nicht „was Neues vom Jahre“.
Wehmütige Erinnerung an eine vergangene Zeit? Haben wir es heute nicht besser, denn es gibt doch alles oder beinahe alles zu jeder Jahreszeit. Sie können doch frische Erdbeeren im Winter haben, importierten Spargel, reifes Obst oder grüne Gurken aus dem Gewächshaus zu jeder Jahreszeit erwarten. Freilich hat alles seinen Preis.
Zahle ich nicht noch einen anderen Preis? 
Den der Geduld und der Erwartung, den der Vorfreude und der Erfüllung nach dem Warten.
Wie köstlich schmeckten die ersten Kirschen oder Erdbeeren aus dem eigenen Garten oder vom Markt! Aber ich will ja den Genuss jetzt und gleich und sofort.
Das wirkt sich aus auf anderes in meinem Leben: Brauche ich nicht auch Zeit, um „Früchte“ im übertragenen Sinn wachsen und reifen zu lassen? Muss ich mich nicht der Mühe unterziehen, für das erste Fahrrad zu arbeiten und zu sparen? Bleibt es nicht eine spannende Erfahrung, den ersten eigenen Computer zu ersparen, zu kaufen, aufzubauen und in Betrieb zu nehmen? Früchte des Lebens brauchen Zeit, um zu reifen.
Das zeigt sich ebenso in den menschlichen Beziehungen: Die Partnerin, der Partner sind nicht nach meinen Vorstellungen fix und gebrauchsfertig („plug and play“, anschließen und abspielen) sofort für meine Wünsche einzusetzen, sondern bleiben eigene Menschen, deren Eigenart ich entdecken und dankbar gewinnen soll.
Gott sei Dank: Eine Schwangerschaft dauert immer noch neun Monate. Daran will ohne zwingende Notwendigkeit niemand etwas ändern. Aber wenn die Kinder dann da sind, funktionieren sie eben nicht nach Art der chipgesteuerten Spielzeuge. Sie erfordern Arbeit und Mühe, Geduld und liebevolle Zuwendung sind notwendig.
Sie widersprechen, werden aufsässig und unduldsam, aber sie lassen mich auch ihre Gaben und Fähigkeiten entdecken, die ich beglückt „ernten“ kann. Meine Gesundheit, mein eigenes Leben sind solche „Pflanzen“, an denen ich nicht Raubbau treiben darf, wenn ich zur rechten Zeit etwas ernten will.
Eine chinesische Fabel erzählt von einem Reisbauern, dem seine Reispflanzen zu langsam wuchsen. Er ging auf das Feld und zog sie alle ein Stück höher. Am Abend sagte er zu seinem Sohn: „Heute habe ich dem Reis beim Wachsen geholfen.“ Der Sohn ging aufs Feld und fand die Pflanzen alle verdorrt.
Ich möchte die „Ernte-Kunst“ bewahren, nicht einfach hinnehmen, hinlangen. Geduld lässt mich nach dem Wachsen und der Reife fragen, den richtigen Zeitpunkt der Ernte erkennen und die Freude über das Geerntete erhalten. Erntedankfest erinnert daran. In vielen Gottesdiensten zu Erntedank wird gesungen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand … der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“

Herzliche Einladung zum Erntedankgottesdienst am 2. Oktober in die mit Gaben geschmückte Michaelis Kirche

Ihr Pastor Jürgen Bade

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