Jede Kirchengemeinde muss einen Kirchenvorstand haben – warum eigentlich?

Unsere Kirchenverfassung und unsere Kirchengemeindeordnung sehen vor, dass es Kirchenvorstände gibt.
Dahinter steht eine lange Geschichte, und eine sehr klare Absicht. Die Geschichte beginnt vor beinahe 2000 Jahren. Damals, als sich die ersten christlichen Gemeinden bildeten, sprach kein Mensch von Kirchenvorständen. Warum auch. Die Christinnen und Christen trafen sich in den Häusern. Sie waren eine kleine überschaubare Anzahl von Menschen, die sich von Gottes Wort begeistern ließen.

Eine Organisation wie heute, mit Immobilien und Personal, waren sie jedenfalls nicht. Im Mittelalter wurde dann die Großorganisation Kirche zentral von Rom aus verwaltet. Und erst Martin Luther entdeckte wieder etwas, was beinahe verschollen war: Jeder Mensch ist selbstverantwortlich für seinen Glauben, das geschieht nicht stellvertretend für andere. In ihren Ursprüngen ist die Kirche also eine Gemeinschaft Ehrenamtlicher. Allerdings so richtig klappte das mit der Ehrenamtlichkeit vor 500 Jahren auch noch nicht. Entscheidungen und Verantwortung lagen in den Händen der Pastoren.

Verantwortung bei Ehrenamtlichen erst seit 90 Jahren
Erst seit ungefähr 90 Jahren ist das anders. In dieser Zeit wurde die evangelische Kirche sozusagen „durchdemokratisiert“. Ehrenamtlichen wurde die Verantwortung für die Gemeinden übertragen. Der Kirchenvorstand, also ein Gremium, das aus gewählten und berufenen Ehrenamtlichen besteht, leitet gemeinsam mit dem Pfarramt die Kirchengemeinde.

Der Kirchenvorstand leitet die Gemeinde
Der Kirchenvorstand wird alle sechs Jahre von den Gemeindegliedern gewählt. Er leitet die Gemeinde gemeinsam mit dem Pfarramt. In regelmäßigen, meist monatlichen Sitzungen, entscheiden die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher über die Schwerpunkte des Gemeindelebens. Aufgaben des Kirchenvorstandes

Aufgabenbereiche des Kirchenvorstandes sind u.a.
• Die Verwendung von Geldern. Wofür wird das Geld eingesetzt, das der Gemeinde zur Verfügung steht?
• Die Verantwortung für die Mitarbeitenden der Gemeinde. Der KV trifft die Entscheidung, wenn z.B. ein neuer Küster oder eine neue Organistin eingestellt wird.
• Formen des Konfirmandenunterrichtes. Soll es z.B. eine Freizeit für die Konfirmanden in den Sommerferien geben und wie können wir sie ggf. finanzieren?
• Kinder und Jugendarbeit. Was können wir in unserer Gemeinde tun, damit Kinder und Jugendliche sich in ihr zu Hause fühlen?
Bei der Entscheidungsfindung freut sich der Kirchenvorstand jedoch auch sehr über Anregungen und Ideen aus der Gemeinde sowie über vielfältige Hilfe bei den verschiedensten Veranstaltungen.

Kirchenvorstandswahl
Am 11. März 2018 ist es nun wieder soweit. Es findet die nächste Kirchenvorstandswahl statt. Es werden für die nächsten sechs Jahre wiederum sieben Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher gewählt. Kirchenvorstandswahlen sind Personalwahlen. Sie geben Ihre Stimme einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten, die auf dem Stimmzettel verzeichnet sind. Wer kandidiert, können Sie in dieser Ausgabe des Michaelisboten nachlesen. Wie viele Stimmen Sie haben, hängt von der Größe der Kirchengemeinde ab. Wir haben 2186 Gemeindeglieder, und somit hat jede Wählerin /jeder Wähler bis zu fünf Stimmen, die an verschiedene KandidatInnen abgegeben werden können. Mehrere Stimmen an eine Person sind nicht möglich.

Nehmen Sie Ihr Wahlrecht in Anspruch und ermuntern Sie bitte auch gerade die jungen Menschen in unserer Gemeinde, zur Wahl zu gehen.

Petra Stefan-Gritsch für den Kirchenvorstand