Texte über den Glauben

Eine neue Reihe über den Glauben in 6 Ausgaben im Michaelisboten
Ich glaube nur,  was ich sehe …
„Ich glaube nur, was ich sehe!“ – Irre ich mich, oder sind die Verfechter dieses Glaubenssatzes weniger geworden? Ich jedenfalls höre das nur noch selten. Zum Glück, denn seinem Sinn nach ist dieser Glaubenssatz ja leicht zu widerlegen. Denn auch wer das behauptet, schaltet selbstverständlich sein Radio ein und seinen Fernseher, benutzt sein Handy – obwohl doch alle drei auf Wellen angewiesen sind, die man eben nicht sehen kann, so wie eben auch die Infrarotwellen, mit denen die Fernbedienungen funktionieren oder die UV-Strahlen, die für den Sonnenbrand verantwortlich sind. Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist selbst für die uns bekannte Wirklichkeit nicht ausreichend.
Wer sagt: „Ich glaube nur, was ich sehe“, sagt zwar etwas Falsches, aber es geht ihm um etwas anderes. Er oder sie möchte Sicherheit, auch in Glaubensdingen. Vielleicht ist er oder sie zu oft enttäuscht worden? Nur: Die Sicherheit, die da gesucht wird, die kann es nicht geben. Mit unseren Sinnesorganen kann Gott und seine Welt nur zum Teil wahrgenommen werden. Er ist nicht nur größer als unser Herz, wie die Bibel sagt, sondern auch größer als unsere Wahrnehmungsfähigkeit und unser Verstand. Immer einmal wieder erkenne ich, da bin ich bewahrt worden, da ist etwas gelungen, was eigentlich unmöglich war, da gab es Trost und eine Begegnung, die mich erfüllt hat. Ich bin dankbar für solche Erfahrungen und bringe sie mit meinem Glauben in Verbindung. Durch den Glauben eröffnet sich ein Raum, der größer ist als mein Leben und mich hineinnimmt in die Sphäre Gottes. Und dann gibt es Momente, in denen nichts mehr da ist. Wo alles zerbricht und auch der Glaube nicht mehr trägt. Für mich ist es dann gut dorthin zu gehen, wo Gemeinde sich versammelt unter der Zusage: wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Pastor Jürgen Bade